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Rückblick auf 20 Jahre und ein neuer Saal – Schlossretter feiern Jubiläum

Vor 20 Jahren begannen einige mutige Blankenburger und Braunschweiger ein Abenteuer: Die Rettung des größten erhaltenen Welfenschlosses, thronend über der Stadt Blankenburg. Nach jahrelangem Leerstand, Verfall und dem gescheiterten Projekt „Planet Harz“ begannen die Engagierten mit Aufräumarbeiten und ersten Sicherungsmaßnahmen. Was vor 20 Jahren noch als Utopie begann, ist mittlerweile zu einem Projekt mit regionaler und überregionaler Strahlkraft sowie einer Nutzungsperspesktive gereift. In einer Festveranstaltung hielten die Schlossretter Rückblick auf das Geschaffene und Ausblick auf die Zukunft.

Eingeleitet von einem Präsentationsfilm von Dagmar Reimann und der Begrüßung von GmbH-Leiter André Gast sowie dem Grußwort von Bürgermeister Heiko Breithaupt, ließen mehrere Vorträge das Wirken der letzten Jahre und die Geschichte des Schlosses Revue passieren. Vereinspräsident Prof. Dr. Gerd Biegel hielt den Jubiläumsvortrag und leitete über zum Highlight der Veranstaltung. Nicht nur 20 Jahre Verein konnten gefeiert werden, auch konnte der umfangreich fortsanierte Theatersaal zu dieser Veranstaltung übergeben werden. Dieser Schritt wurde nicht mit Fördermitteln, sondern durch eine große Privat-Investition erreicht – „eine Viertel Millionen“ so Präsident Biegel spendete Familie Ott, die ihre Wurzeln im Harz hat, mittlerweile in der Schweiz lebt und sich bei einer Führung für das Projekt Schloss Blankenburg haben begeistern lassen, für die umfangreiche Aufarbeitung. Hierfür erhielten sie einen Ehrenpreis samt Stahlstich für ihre Sammlung. Das Resultat konnte man nicht nur vor Ort bewundern, Restaurator Matthias Pröpper schilderte die erfolgten Arbeiten der letzten Monate. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Saxophonisten Artem Sargsyan.

1123 wurde erstmals ein Castrum Blankenburch erwähnt. Im 18. Jahrhundert war Blankenburg Fürstentum und der europäische Hochadel gastierte. 1945 erfolgte die Enteignung der Welfenfamilie, das Objekt wurde aber als Genesungsheim und Fachschule für Binnenhandel des Konsums fortgenutzt. Nach 1990 verfiel das Gebäude zusehends. Dies konnte erst durch den 2005 gegründeten Verein, der 2008 Eigentümer wurde, gestoppt werden. Durch Fördermittel von Bund, Land und Trägern konnte das Gebäude Stück für Stück restauriert werden. Seit 2007 werden Führungen angeboten, später ehrenamtlich Café und Shop. Seit 2012 sind Hochzeiten möglich. Einige Bereiche wurden durch Mitglieder in Eigenregie restauriert, wie bspw. das Jägerhaus.

Als Anerkennung kann der Verein auf einige Auszeichnungen blicken. Die Wichtigste ist die 2014 im Aachener Dom verliehene silberne Halbkugel, eine der höchsten Anerkennungen der Denkmalpflege im ehrenamtlichen Bereich. Aber auch den Reinhard-Höppner-Preis, den Adolf-Just-Preis und Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalts kann der Verein sein Eigen nennen. Allein im Dach wurden 500 m³ Holz und 4.500 m³ Schiefer verbaut. 2022 wurde das in der DDR-Zeit übermalte Kapellenbild, wieder freigelegt und 7 Gemälde aus dem 18. Jahrhundert an ihren ursprünglichen Standort zurückgeführt. Insgesamt sind ca. 15 Mio. € seit 2005 verbaut wurden, wobei der Verein deutlich mehr als 1 Mio. an Eigenmitteln selbst eingebracht hat. Nun schaut der Verein in die Zukunft: Zusätzlich zu den im Verwalterhaus ansässigen Firmen der „Nachhaltigen Waldnutzung“, wie NABU, SUNK und FutureForestInitiative, wird im Kasernenflügel weitere Büronutzung eingemietet – letztendlich mit dem Ziel dem Schloss eine dauerhafte Funktion zu geben und es zu dem zu machen, was lange war und zunehmend wieder wird: die Krone der Region.

Fotos: Kerstin Gutsche