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11. Blankenburger Schlossgespräche: Engagement im Wandel

Urheber Bilder/Text: Stadt Blankenburg, Jana Böhme

Unter dem Titel „Wir dienen im Wandel – Neue Wege des Engagements in unserer Gesellschaft“ fanden am Freitag, 24. April, die 11. Blankenburger Schlossgespräche auf dem Großen Schloss Blankenburg statt. Eingeladen hatten erneut der Lions Club Blankenburg, die Stadt Blankenburg (Harz) und die Harz AG. Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, wie gesellschaftliches Engagement künftig gelingen kann – beruflich, ehrenamtlich und gemeinschaftlich.

Bereits in der Eröffnung wurde deutlich, wie aktuell das Thema ist. Lars Grundmann, Präsident des Lions Clubs Blankenburg, sprach davon, dass sich die Formen des Engagements verändern: Menschen wollten sich weiterhin einbringen, suchten dabei aber zunehmend nach Sinn, Wirkung und flexiblen Möglichkeiten. Bürgermeister Heiko Breithaupt würdigte zugleich das 30-jährige Bestehen des Lions Clubs Blankenburg und dankte dem Schlossverein, der das besondere Ambiente für die Veranstaltung ermöglichte. Auch Steffi Rienäcker von der Harz AG betonte, wie wichtig es sei, Verantwortung zu übernehmen und miteinander im Gespräch zu bleiben.

Moderiert wurde der Abend von Katy Löwe. In der Talkrunde diskutierten Tino Sorge, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Dr. Matthias Voth, Geschäftsführer des Harzklinikums, Landrat Thomas Balcerowski, Prof. Dr. Oliver Junk von der Hochschule Harz sowie Katrin Schramm vom Verein Heimat bewegen e. V.

Ein Schwerpunkt der Diskussion lag zunächst auf der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Tino Sorge machte deutlich, dass Sachsen-Anhalt bei Themen wie Demografie, medizinischer Versorgung und Prävention Entwicklungen vorwegnehme, die andere Regionen erst noch erreichen würden. Es brauche daher pragmatische Lösungen, mehr Vernetzung, Digitalisierung und neue Versorgungsformen.

Dr. Matthias Voth erläuterte die Herausforderungen für das Harzklinikum und warb für Verständnis für notwendige Veränderungen. Die Notfallversorgung müsse auch künftig zuverlässig gewährleistet bleiben. Dafür brauche es jedoch gebündelte Kräfte, klare Strukturen und eine offene Kommunikation mit der Bevölkerung. „Wir sind dafür da, die Notfälle zu behandeln“, sagte Voth und machte deutlich, dass moderne Medizin hochkomplex sei und nicht mehr überall alles vorgehalten werden könne.

Landrat Thomas Balcerowski schlug den Bogen zum Ehrenamt und sprach sich für mehr Ehrlichkeit in politischen Debatten aus. Besonders deutlich wurde er beim Thema Bürokratie. Ehrenamtliche dürften nicht durch immer neue Anforderungen abgeschreckt werden. Gerade bei Feuerwehr, Katastrophenschutz, Vereinen und sozialen Initiativen brauche es Schutz, Unterstützung und Anerkennung. Als Beispiel nannte er die geplante Ehrenamtskarte im Landkreis Harz, die zunächst im Blaulichtbereich starten soll.

Prof. Dr. Oliver Junk ordnete das Thema wissenschaftlich ein. Im Projekt „Vital“ der Hochschule Harz werde deutlich, dass Ehrenamt heute nicht mehr selbstverständlich funktioniere. Es brauche mehr als Dankesreden: „Hauptamt muss Ehrenamt stützen“, fasste er zusammen. Kommunen müssten Vereine stärker begleiten, Räume schaffen, Vernetzung ermöglichen und bürokratische Hürden abbauen.

Wie Engagement praktisch gelingen kann, zeigte Katrin Schramm am Beispiel des Vereins Heimat bewegen e. V. aus Ballenstedt. Der Verein gestaltet auf einem Dreiseitenhof Begegnungsräume, Kulturangebote, Bildungsprojekte und Mitmachformate. Ihr Motto brachte sie mit einem Satz auf den Punkt: „Stell dir vor, deine Stadt ist wunderbarer und du bist schuld.“ Wichtig seien vor allem Austausch, Beziehungsarbeit und Menschen, die dauerhaft als „Kümmerer“ ansprechbar seien.

Zum Abschluss der Talkrunde formulierten die Gäste Wünsche für die Region: mehr Zuversicht, mehr Kooperation, mehr Freundlichkeit, mehr Mut zum Möglichmachen – und weiterhin viele Formate wie die Blankenburger Schlossgespräche. Bürgermeister Heiko Breithaupt griff diesen Gedanken in seinem Schlusswort auf: Gerade die Verbindung von Gesundheitsversorgung, Lebensqualität und Ehrenamt zeige, wie eng die Zukunft einer Region mit dem Engagement ihrer Menschen verbunden sei.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von Lucio Miano di Martino, der mit italienischen Arien und bekannten Klassikern für besondere Momente sorgte. Unterstützt wurde die Veranstaltung zudem von der Schülerfirma des Gymnasiums „Am Thie“. Die Schülerinnen begleiteten in barocken Kleidern des VHS Bildungswerks den Abend.

Die 11. Blankenburger Schlossgespräche machten deutlich: Engagement verändert sich, bleibt aber unverzichtbar. Damit Menschen sich weiterhin einbringen können, braucht es Wertschätzung, verlässliche Strukturen, weniger Bürokratie – und vor allem den Mut, gemeinsam neue Wege zu gehen.