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Stifter sorgen für Glanz im Saal

Der Graue Saal im Großen Schloss Blankenburg ist wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Möglich wurden die Arbeiten durch eine private Spende eines Schweizer Ehepaars.

VON JENS MÜLLER / Harzer Volksstimme vom 23.4.2026

BLANKENBURG. Der leicht beißende Geruch von frisch aufgebrachter Parkettversiegelung hat sie nicht abgehalten, einen ersten Blick in den frisch restaurierten Grauen Saal zu werfen. Ganz im Gegenteil: Die privaten Stifter haben sich begeistert gezeigt vom ersten komplett instandgesetzten
Barocksaal des Blankenburger Schlosses.

Es ist ein sichtlich bewegender Moment, als Elsbeth und Karl Ott die Tür zum Grauen Saal öffnen. „Wir sind überwältigt. Es ist ein unheimlich schönes Gefühl, das zu sehen“, sagen die beiden beim Anblick des von Grund auf restaurierten Raumes. „Jetzt ist er ein Ganzes“, kommentiert Karl Ott, der sich gar nicht satt sehen kann an den instandgesetzten, filigranen Stuckrahmen, Kaminsimsen, den reparierten Kapitellen und marmorierten Pilastern.

Blankenburgs Schlossretter um Geschäftsführer André Gast sowie die Restauratoren Matthias und Benedikt Pröpper warten außerdem mit weiteren Details auf: So sind die historischen Türen komplett aufgearbeitet und mit neuen, stilechten Messingbeschlägen ausgestattet worden. Die vier Kronleuchter hängen nun etwas tiefer und verleihen dem Saal einen noch mondäneren Eindruck.

Besonders angetan sind Elsbeth und Karl Ott von der Arbeit der Hallenserin Andrea Himpel, die ein historisches Gemälde restauriert hat, das nun wieder an seinem angestammten Platz über dem Kamin hängt. „Es hatte einen großen Riss. Vom Motiv war kaum noch etwas zu erkennen“, erinnert sich Karl Ott. Was die Restauratorin hier geleistet hat, sei mehr als beeindruckend.

Beeindruckt zeigen sich die Schlossretter vor allem vom Engagement des Ehepaars: „Es ist nach der Kapelle und dem Theatersaal der dritte große Raum, den wir angepackt haben, aber der erste, der fertig ist“, erklärt André Gast voller Dankbarkeit. „Ohne Sie hätten wir das gar nicht umsetzen können. Und ich hätte nie gedacht, dass wir das bei solch einer Größenordnung jemals hinbekommen“, sagt er an das Ehepaar gerichtet. Denn Elsbeth und Karl Ott haben die Kosten der Restaurierung aus eigener Tasche bezahlt. Zur Höhe ihres finanziellen Engagements machen sie keine Angaben. Allerdings erklären sie, warum sie das tun. Und das zum wiederholten Mal. Dabei verweisen sie nicht nur auf ihre Wurzeln. So stammt ihre Großmutter aus Schneidlingen. Karl Otts Elternhaus steht in Wernigerode. Er selbst ist in Magdeburg groß geworden, aber noch vor dem Mauerbau in den Westen gegangen. Später hat er in der Schweiz sein Glück gefunden. Seit der Wende besuchen die beiden regelmäßig den Harz. Und natürlich auch das Blankenburger Schloss.

„Wir haben bereits bei unserer allerersten Begegnung gemerkt, wie sehr sich der Verein hier engagiert und was er aus dem Nichts heraus gemacht hat“, erinnern sich die beiden an eine erste Führung mit Freunden durch das Große Schloss im Jahr 2010. Ein Treffen mit André Gast habe sie in der Idee bestärkt, sich in diesem Projekt zu engagieren. „Wir hatten schon immer das Gefühl, etwas für den Denkmalschutz zu tun. Und das war die Gelegenheit.“

Seither beteiligen sie sich mit großzügigen Spenden an kleineren und größeren Projekten des Schlossvereins, so wie beispielsweise an der Sanierung des Theatersaals und ganz aktuell an der Restaurierung des noch fehlenden Kamin-Gemäldes aus dem Grauen Saal: „Wir sind sehr berührt von der Arbeit des
Vereins. Es ist uns ein Bedürfnis, etwas zurückzugeben.“ Bei den Blankenburger Schlossgesprächen im Rahmen des Jubiläums 30 Jahre Charterfeier des Lions-Clubs Blankenburg am Freitag, 24. April 2026, wird der Graue Saal seine „Feuertaufe“ als Veranstaltungs-Location erleben. Danach steht er wieder als gewidmetes Trauzimmer für Eheschließungen und weitere Veranstaltungen zur Verfügung.