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Erstes Future Forest Forum in Blankenburg (Harz)

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„Unser Wald braucht deine Ideen“, mit diesem Aufruf wandte sich die noch junge Future Forest Initiative – also die Initiative für den zukünftigen Wald – an die innovative Gründerszene in Deutschland. Diese war eingeladen, gemeinsam mit engagierten Vertretern aus Wissenschaft und Waldwirtschaft beim ersten Future Forest Forum Herausforderungen und Lösungen für eine nachhaltige Waldentwicklung zu erörtern und dabei ihre Kreativität einzubringen. Dieses Forum, das als Auftakt für die weitere Arbeit der Initiative gilt, fand in Form eines Barcamps am 20. und 21. August bei uns auf dem Großen Schloss in Blankenburg (Harz) statt. „Wir sind unfassbar glücklich und dankbar, dass unser Schloss als Veranstaltungsort gewählt wurde“, richtet André Gast aus dem Vereinsvorstand seinen Dank an die Initiative und spricht ihr gleichzeitig die Einladung für weitere Aktionen aus: „Sehr gern öffnen wir unser Schlosstor für weitere Veranstaltungen.“

Durch Trockenheit und Schädlinge stark geschädigte Wälder zeichnen auch in Deutschland das Schicksal vieler Waldgebiete. Das komplexe aber beschädigte Waldökosystem steht dabei sinnbildlich für die vielfältigen Probleme, die der Klimawandel für unsere Natur bedeutet.

Die Future Forest Initiative schafft aus diesem Grund einen Rahmen, in dem sich engagierte Akteure vernetzen und nachhaltige Lösungskonzepte entwickeln können. „In der Kombination aus der Innovationskraft von Startups, wissenschaftlichem Know How und Erfahrungswerten der etablierten Wirtschaft sehen wir eine vielversprechende Chance, ein Ökosystem rund um das Thema nachhaltige Waldentwicklung aufzubauen“, heißt es dazu aus der Initiative. Diese wird vertreten durch Unternehmensgründer und Vorstands-Mitglied der German Agrifood Society und Initiator der Innovate-Gründerkonferenz Wolf Goertz, den Harzer Waldbesitzer Christoph zu Stolberg, Björn Kaminski als Projektleiter Green Startups beim Startup-Verband, Forstwissenschaftler und Agrarökonom Dr. Benjamin Kowalski als Ansprechpartner für die Themen Landwirtschaft, Ernährung und Bioökonomie am Innovationszentrum Niedersachsen sowie Marcus Plättner von den Wirtschaftsjunioren des Harzkreises und amtierender stellvertretender Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland.

Geprägt durch die riesigen, zerstörten Flächen im Harz beispielhaft für den gefährdeten deutschen Wald lenkt die Future Forest Initiative die Aufmerksamkeit auf das vielfältige Ökosystem Wald. Hauptziele sind, Lösungen für eine nachhaltige Nutzung des Waldes zu finden, der Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels neue Handlungsoptionen zu eröffnen und Innovationen und neue Geschäftsmodelle für eine nachhaltige Zukunft des Ökosystems Walds zu unterstützen.

Fragestellungen drehten sich um Lösungsansätze für die Schädlingsbekämpfung, Innovationen, um die Wasseraufnahmekapazität der Böden zu erhöhen oder auch alternative Nutzungskonzepte für die zerstörten Brachflächen, wie der steigende Bedarf an Holz nachhaltig gesättigt werden könne, ob es Alternativen zum Rohstoff Holz gibt und wie neue Einnahmen durch Ökosystemdienstleistungen generiert und Ernteprozesse schonender durchgeführt werden können. Da es selbst im Wald für Digitalisierungsprozesse keine Grenzen gibt, waren Innovationen für das Monitoring von Forstgebieten gefragt oder wie die Wiederaufforstung digital geplant und Informationen für eine nachhaltige Bewirtschaftung bereitgestellt werden können. Auch ob durch innovative Geschäftsmodelle neue Kundengruppen gewonnen und nachhaltige Lieferketten etabliert werden können, waren Fragen, die die Innovationsprozesse anstoßen sollten.

Eine Podiumsdiskussion zum Auftakt der intensiven zwei Tage umrahmte diese vorab gestellten Fragen. Daraus gestalteten sich am zweiten Tag Workshops zu 16 unterschiedlichen Themen, die durch die Forumsteilnehmenden eingebracht wurden.

Vor Ort gab es nicht nur viele gute Gespräche, sondern auch Technik zu sehen. So brachte Prof. Dr. Thomas Linkugel von der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Göttingen einen neuartigen Roboter für die Forst mit. Dieser Pflanzroboter soll bei stark durch Trockenheit und Schädlinge zerstörte Flächen eigenständig mittels Laserscanner und Kamera eine Bestands- und Bodenanalyse durchführen und dann vollautomatisch entweder Saatgut oder Setzlinge in den Boden einbringen und somit bei der Wiederaufforstung helfen.

„Diese Veranstaltung kümmert sich um das Waldsterben in den gemäßigten Breiten allgemein – und wo, wenn nicht im Harz sollte man eine Veranstaltung durchführen, die dem neuen Waldsterben etwas entgegensetzt“, führt Dr. Benjamin Kowalski aus. „Blankenburg liegt genau im Zentrum – wir haben dieses großartige Schloss mit großartigen Möglichkeiten. Hier ist das Herz und hier wird die Initiative Future Forest etwas gegen das Waldsterben entwickeln.“

Das Große Schloss wurde nicht ohne Bedacht als Austragungsort gewählt, grenzt es doch unmittelbar an den Naturerbewald Blankenburg. Dieser umfasst insgesamt rund 2.150 Hektar Waldflächen und wurde der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz (S.U.N.K.) als Nationales Naturerbe übertragen. Hauptziel des Waldmanagements der S.U.N.K. ist der Prozessschutz und die möglichst rasche Einstellung der wirtschaftlichen Nutzung. Große Teile des ehemaligen Wirtschaftswaldes werden der natürlichen Entwicklung überlassen. Waldbereiche, die nicht der standortheimischen Baumartenzusammensetzung entsprechen, wie zum Beispiel Nadelholzbestände, werden durch sukzessive Entnahme vermindert und durch natürlich vorkommende Arten ersetzt. S.U.N.K.-Geschäftsführerin Dr. Nele Herkt und Projektleiter Alexander Haase nahmen ebenfalls am Forum teil und führten interessierte Teilnehmende durch einen kleinen Teil des Naturerbewaldes.

Nicht nur Nadel-, sondern auch Laub- und Mischwälder weisen heute schon zu zwei Drittel Teilschäden auf. Warum dies geschieht, weiß Alexander Haase: „Das sind Schäden, die primär auf die Trockenheit zurückzuführen sind. Das heißt, die Bäume haben zu wenig Wasser und die Kronen beginnen, abzusterben. Durch diese Schädigung infolge der Trockenheit werden die Bäume von verschiedenen Schaderregern wie Pilze, aber auch Insekten befallen, die sie dann zusätzlich schwächen und zur weiteren Absenkung der Vitalität der Bäume und bis hin zum Absterben führen.“ In Naturerbewald der S.U.N.K. seien die Schäden nicht so katastrophal wie im Nationalpark Harz und auf anderen Flächen. „Wir haben das Glück, dass wir hier 80 % Laubholz in unserem Wald haben. Dieses zeigt zwar auch eine Vitalitätsschwäche, aber es stirbt nicht so massiv ab durch den Borkenkäferbefall wie die Fichte. Die Nadelhölzer mit einem Anteil von 20 % sind stark geschädigt, aber durch den großen Laubholzanteil sieht es bei uns noch sehr gut aus.“

Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt zeigte sich beeindruckt, dass die Initiative innovative Menschen zusammengebracht hat, die gemeinsam überlegen, wie der Wald der Zukunft aussehen kann. „Wir haben verschiedene Arten der Nutzung des Waldes. Wir hier in Blankenburg befinden uns zum einen am Rande des Naturerbewaldes, aber wir haben ja auch Wälder, die wirtschaftlich genutzt werden. Das sind auch große Zukunftsthemen – für uns, für die privaten Waldbesitzer und für die öffentlichen Waldbesitzer. Ich freue mich, dass wir hier durch das Forum und durch die Initiative bundesweite Aufmerksamkeit erlangen.“

Marcus Plättner erläutert, warum sich die Wirtschaftsjunioren gemeinsam mit der Initiative für das Thema stark machen: „Wir Wirtschaftsjunioren des Harzkreises leben und arbeiten im Harz. Der Harz ist außerdem eine Urlaubsregion. Wir erleben tagtäglich, wie der Wald sich massiv verändert. Wir wollten und wir werden handeln.“

„Die Stärke der Gründerszene, die wir hier versammelt haben, besteht darin, dass sie sehr gut neue Geschäftsmodelle und Technologien in die Anwendung bringen“, wagt Dr. Benjamin Kowalski einen optimistischen Ausblick. „Wir versuchen durch Innovationen die Waldwirtschaft zu stärken. Das Ziel des Forums war, erst einmal zusammenkommen und mit vielen interessierten Denkern gemeinsam Lösungsansätze zu identifizieren und zu schauen, wo man in Zukunft Lösungen entwickeln kann. Dieses Zusammentreffen war die Keimzelle. Später folgen weitere Veranstaltungen, bei denen wir aus diesen Ideen im Idealfall Start-Ups, Gründungen oder wissenschaftliche Projekte entwickeln.“

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Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Future Forest Initiative