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Die Neuberin auf der Bühne im Großen Schloss Blankenburg

Die Neuberin auf der Bühne im Großen Schloss Blankenburg

Beitrag von: Dr. Evelin Wittich, Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Friederike-Caroline-Neuber-Stiftung (FCNS) und Vorsitzende der FCNS

Vor 300 Jahren stand die spätere große Theaterreformerin und exzellente deutsche Schauspielerin im Großen Schloss Blankenburg auf einer Bühne. Am 10. Oktober 2021 war sie dort wieder zu sehen. Natürlich nicht persönlich, sondern in dem Bühnenporträt des Theatrum Hohenerxleben „Friederike Caroline Neuber – Ein Bühnenporträt der großen Theaterfrau“. Erstmalig wurde hier der Beginn ihrer bedeutenden Karriere in Blankenburg gewürdigt.

Denn der künstlerische Durchbruch der Neuberin am Beginn ihrer Laufbahn ist eng mit der Stadt Blankenburg, insbesondere mit dem Großen Schloss und ihren Förderern, dem Herzogspaar Ludwig Rudolf und Christine Luise, verbunden.

Die mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – unter den Bedingungen der Corona-Pandemie waren kaum mehr möglich – wurden mit der Aufführung in die Zeit der Neuberin versetzt, erlebten eindrucksvoll ihren Aufstieg, ihre Erfolge, Niederlagen und Kämpfe.

Es gab viel Beifall!

Die Neuberin war weit mehr als eine Schauspielerin. Sie war die wichtigste Wegbereiterin unserer heutigen Theaterkultur im deutschsprachigen Raum, geistige Ahnfrau von Lessing, Goethe, Schiller und vieler anderer bekannter Bühnendichter*innen. So tritt gegen Ende der Vorstellung der junge Lessing ehrerbietig der Neuberin gegenüber und spricht im Weggehen entscheidende Sätze aus seinem „Nathan der Weise“.

Mit ihrem Gestaltungswillen brachte sie als Schauspielerin, Theaterleiterin und -dichterin künstlerisches Niveau und einen ethischen Bildungsansatz in die Theaterarbeit, beeinflusste nachfolgende Theaterschaffende und verhalf dem Schauspielerberuf zu Ansehen in der Gesellschaft.

Der Verein zur Förderung der Friederike-Caroline-Neuber-Stiftung arbeitet zusammen mit der ihm in Treuhandschaft übertragenen Friederike-Caroline-Neuber-Stiftung (FCNS) seit deren Gründungen 2017 daran, die Neuberin in Blankenburg und Umgebung bekannt zu machen. Die szenische Lesung „Die Neuberin zwischen Fürstengunst und akademischem Kunstanspruch“ von Gero Hammer, wurde mehrmals im Großen Schloss mit dem Schauspieler Gunter Schoss und Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums am Thie Blankenburg aufgeführt. Hilde Thoms, Stifterin der FCNS, führte zahlreiche Lesungen ihrer Broschüre „Wo unsere Schauspielkunst zur Welt kam – Blankenburg und das Bühnenleben der Neuberin“ durch. Seit langem gab es den Wunsch, auch ein Theaterstück über die Neuberin zeigen zu können. Als das Theatrum Hohenerxleben im Schloss mit einem Stück über Jenny Marx gastierte, fiel dieser Wunsch auf positive Resonanz. Die Mitglieder des Theatrum Hohenerxleben warben Mittel für die Produktion dieses Stückes ein und begannen, das Stück zu schreiben und zu inszenieren.

Judith Kruder und Elisabeth Haug, beleuchten in dem Stück aus eigener Feder das Leben der Friderica Carolina Neuberin. Originaltexte der großen Theaterfrau bilden dafür den Ausgangspunkt. Wirklich viel ist über sie und von ihr nicht erhalten. Im vergangenen Jahr haben Judith Kruder und Elisabeth Haug sich auf Entdeckungsreise gemacht und haben dabei Texte und Überliefertes recherchiert und dabei vor allen Dingen aber begonnen selbst zu schreiben. Und so haben sie schließlich zusammengetragen, wie Szenen aus dem Leben der „Neuberin“ und ihrer Zeit gewesen sein könnten. Judith Kruder spielt dabei die titelgebende Theaterfrau – Die Neuberin, während Elisabeth Haug in sieben verschiedenen Rollen zu erleben ist. Zwischen den Szenen erklingt Musik von Johann Sebastian Bach, gespielt von Lucia Keller am Flügel.

Diese Theateraufführung war der 2. Höhepunkt seit Existenz des Vereins zur Förderung der Friederike-Caroline-Neuber-Stiftung. Der erste Höhepunkt war die Straßenumbenennung des 1. Teils des Herzogsweges in Blankenburg in Friederike-Caroline-Neuber-Straße. Dafür danken wir dem Stadtrat von Blankenburg.

Förderer und Mitveranstalter waren:
Verein Rettung Schloss Blankenburg, Erik-Neutsch-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Club Harz
Sponsor war die Harzsparkasse

Fotos: Kerstin Gutsche, Fotostudio Gutsche